Mappus will Gentechnik im Saatgut – Anzeige 11.03.2011

 Anzeige in der Ulmer SWP,  Montag, 11.03.2011:

MAPPUS WILL GENTECHNIK IN SAATGUT

Am kommenden Freitag soll auf Grund des Antrags der Landesregierung im Bundesrat eine Aufweichung der strikten Reinhaltung des Saatguts von Agrogentechnik beschlossen werden.

Wir Landwirte aus der Region Ulm sind über diesen Beschluss empört und fordern MP Mappus auf, diesen Antrag zurückzuziehen.

Saatgut ist die Grundlage unserer Ernährung und der Anfang aller Lebensmittelproduktion. Wir lehnen jeden Versuch entschieden ab, gentechnisch veränderte Sorten auf diese Weise durch die Hintertüre einzuführen. Er gefährdet die Sicherheit von Landwirten und Verbrauchern, und macht die gesetzlich vorgeschriebene Kontrolle des Anbaus gentechnisch veränderter Sorten unmöglich. Er untergräbt agrogentechnikfreie Landwirtschaft, die von der großen Mehrheit der Bevölkerung gewünscht und gefordert wird.

Aßfalg, Alois; Bosch, Christian; Buck, Josef; Dangelmaier, Hubert; Geiger, Magret; Glöckle, Georg; Hammer, Christoph; Häußler, Franz; Hay, Werner; Holzschuh, Tanja; Jacob, Ernst; Kaißer, Karl; Kraiß, Jürgen; Kühnle, Karl-Eugen; Leibing, Dieter; Mayer, Hansjörg; Mickley-Gansloser, Friedhelm; Schadel, Franz; Seiffert, Paul-Martin; Türk, Hansjörg; Weith, Georg; Winkelmann, Johannes

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Dazu der SWP-Pressebericht am Samstag 16.03.2011:

GENTECHNIKGEGNER TRAUEN MAPPUS NICHT

Alb-Donau-Kreis /Stuttgart.  Ein Antrag der Landesregierung im Bundesrat hat die Gentechnikgegner aufgeschreckt: Sie befürchten, dass die Nulltoleranz für gentechnisch verändertes Saatgut gekippt werden soll. Das Land dementiert.

„Mappus will Gentechnik“. Unter dieser Überschrift haben gut 20 Landwirte aus der Region am Montag eine Anzeige in der Zeitung veröffentlicht. Darin äußern sie ihre Befürchtung, dass Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) die Reinhaltung des Saatguts von Agrogentechnik aufweichen und diese durch die Hintertüre einführen wolle. „Er gefährdet die Sicherheit von Landwirten und Verbrauchern. Er untergräbt die agrogentechnikfreie Landwirtschaft, die von der großen Mehrheit der Bevölkerung gewünscht wird“, schreiben die Bauern.

Hintergrund ist ein Antrag der baden-württembergischen Landesregierung im Bundesrat, bundesweit einheitliche Regelungen zu finden, wie eventuell gentechnisch verändertes Saatgut labortechnisch nachgewiesen werden kann. Morgen ist das Thema im Bundesrat. Gentechnikgegner befürchten, dass künftig Saatgut, das mit bis zu 0,1 Prozent gentechnisch verändertem Samen verunreinigt ist, auf die Felder ausgebracht werden darf. Bislang gilt, dass minimalste Verunreinigungen dazu führen, dass Saatgut aus dem Verkehr gezogen wird. Alleine die Vorstellung, dass daran gedreht werden könnte, trieb die Gentechnikgegner auf die Barrikaden: Es gab Post- und Mail-Aktionen an Mappus, heute demonstrieren die Gegner vor dem baden-württembergischen Landtag in Stuttgart, darunter auch einige der Landwirte, die die Anzeige initiiert haben.

Diese Aktionen führten dazu, dass das Landwirtschaftministerium am Dienstag eine Pressemitteilung herausgab. Darin wird betont, dass es bei dem Antrag nicht darum gehe, die Nulltoleranz aufzuheben. Das sei eine Falschinformation. Vielmehr gehe es um eine bundesweit einheitliche, gerichtsfeste Messmethode. Ministeriums-Pressesprecherin Denise Burgert bestätigt: „Es gilt weiter die Nulltoleranz.“

So recht glauben mögen die Gentechnikgegner das noch immer nicht. „Wenn dem Land an der Nulltoleranz gelegen ist, dann könnte es alles lassen, wie es ist“, sagt Gottfried May-Stürmer, Agrarreferent des BUND-Landesverbands. Auch lasse der Ausdruck „technischer Grenzwert“ die Alarmglocken schrillen. „Das ist das, was der Bundesverband der deutschen Pflanzenzüchter, in dem alle großen Saatgut-Konzerne organisiert sind, seit Jahren fordert.“ Und das sei eben die Regelung, dass 0,1 Prozent Verunreinigung zugelassen werden sollen. Nicht zuletzt habe sich die Agrarminister-Konferenz bereits für eben diesen technischen Grenzwert ausgesprochen. Baden-Württemberg aber habe nicht dagegen gestimmt. Einzig Nordrhein-Westfalen tat dies. „Das macht uns hellhörig.“ Auch das Problem mit den Messungen sieht May-Stümer nicht: „DNA-Sequenzen kann man nachweisen.“ Gelte die Nulltoleranz werde das Saatgut aus dem Verkehr gezogen, egal ob 0,1 oder 1 Prozent Verunreinigungen drin sind. Der Agrarreferent nennt noch eine Zahl: „Kommt die 0,1-Prozent-Grenze heißt das, dass auf einem Hektar Mais 100 bis 120 gentechnisch veränderte Pflanzen stehen.“ Und die breiteten sich von Jahr zur Jahr aus: „Unkontrollierbar, in alle Richtungen.“

Friedhelm Mickley-Gansloser aus Scharenstetten, einer der Landwirte, die die Anzeige unterschrieben haben, will „die Leute wachrütteln“. Daher auch die Anzeige. „Es darf in Deutschland nicht passieren, dass gentechnisch verändertes Saatgut auf die Äcker kommt. Nie.“ Das sei nie wieder rückgängig zu machen. Die Reinheit des Saatguts wäre dann für immer dahin. „Wie in den USA.“ Mit den gleichen Konsequenzen. Etwa, dass es Unkräuter gebe, die durch Kreuzung mit Genpflanzen Pestizid-Resistenzen entwickelt haben. „Damit sind bereits riesige Flächen zugewuchert, und kein Spritzmittel hilft mehr.“ Nicht zuletzt gehe es um die Gesundheit der Menschen. Denn auch das habe sich in den USA gezeigt: „Tiere, die mit Gentechnik-Futter ernährt wurden, trugen Gesundheitsschäden davon.“ Für Mickley-Gansloser ist es keine Frage, dass solche Gesundheitsschäden auch bei Menschen auftreten werden, wenn sie auf Dauer eine bestimmte Menge gentechnisch veränderter Organismen zu sich nehmen.

„Die grüne Gentechnik wird in Deutschland diskutiert wie die Atomkraft vor Japan. Und auch hier können die Folgen ungeahnte Ausmaße annehmen“, sagt der Landwirt. Die Politik solle endlich akzeptieren und respektieren, dass „85 Prozent der Bevölkerung die Gentechnik ablehnen“.

Gentechnikgegner trauen Mappus nicht

SWP 16.03.2011 (Samstagausgabe!)

Alb-Donau-Kreis /Stuttgart.  Ein Antrag der Landesregierung im Bundesrat hat die Gentechnikgegner aufgeschreckt: Sie befürchten, dass die Nulltoleranz für gentechnisch verändertes Saatgut gekippt werden soll. Das Land dementiert.

„Mappus will Gentechnik“. Unter dieser Überschrift haben gut 20 Landwirte aus der Region am Montag eine Anzeige in der Zeitung veröffentlicht. Darin äußern sie ihre Befürchtung, dass Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) die Reinhaltung des Saatguts von Agrogentechnik aufweichen und diese durch die Hintertüre einführen wolle. „Er gefährdet die Sicherheit von Landwirten und Verbrauchern. Er untergräbt die agrogentechnikfreie Landwirtschaft, die von der großen Mehrheit der Bevölkerung gewünscht wird“, schreiben die Bauern.

Hintergrund ist ein Antrag der baden-württembergischen Landesregierung im Bundesrat, bundesweit einheitliche Regelungen zu finden, wie eventuell gentechnisch verändertes Saatgut labortechnisch nachgewiesen werden kann. Morgen ist das Thema im Bundesrat. Gentechnikgegner befürchten, dass künftig Saatgut, das mit bis zu 0,1 Prozent gentechnisch verändertem Samen verunreinigt ist, auf die Felder ausgebracht werden darf. Bislang gilt, dass minimalste Verunreinigungen dazu führen, dass Saatgut aus dem Verkehr gezogen wird. Alleine die Vorstellung, dass daran gedreht werden könnte, trieb die Gentechnikgegner auf die Barrikaden: Es gab Post- und Mail-Aktionen an Mappus, heute demonstrieren die Gegner vor dem baden-württembergischen Landtag in Stuttgart, darunter auch einige der Landwirte, die die Anzeige initiiert haben.

Diese Aktionen führten dazu, dass das Landwirtschaftministerium am Dienstag eine Pressemitteilung herausgab. Darin wird betont, dass es bei dem Antrag nicht darum gehe, die Nulltoleranz aufzuheben. Das sei eine Falschinformation. Vielmehr gehe es um eine bundesweit einheitliche, gerichtsfeste Messmethode. Ministeriums-Pressesprecherin Denise Burgert bestätigt: „Es gilt weiter die Nulltoleranz.“

So recht glauben mögen die Gentechnikgegner das noch immer nicht. „Wenn dem Land an der Nulltoleranz gelegen ist, dann könnte es alles lassen, wie es ist“, sagt Gottfried May-Stürmer, Agrarreferent des BUND-Landesverbands. Auch lasse der Ausdruck „technischer Grenzwert“ die Alarmglocken schrillen. „Das ist das, was der Bundesverband der deutschen Pflanzenzüchter, in dem alle großen Saatgut-Konzerne organisiert sind, seit Jahren fordert.“ Und das sei eben die Regelung, dass 0,1 Prozent Verunreinigung zugelassen werden sollen. Nicht zuletzt habe sich die Agrarminister-Konferenz bereits für eben diesen technischen Grenzwert ausgesprochen. Baden-Württemberg aber habe nicht dagegen gestimmt. Einzig Nordrhein-Westfalen tat dies. „Das macht uns hellhörig.“ Auch das Problem mit den Messungen sieht May-Stümer nicht: „DNA-Sequenzen kann man nachweisen.“ Gelte die Nulltoleranz werde das Saatgut aus dem Verkehr gezogen, egal ob 0,1 oder 1 Prozent Verunreinigungen drin sind. Der Agrarreferent nennt noch eine Zahl: „Kommt die 0,1-Prozent-Grenze heißt das, dass auf einem Hektar Mais 100 bis 120 gentechnisch veränderte Pflanzen stehen.“ Und die breiteten sich von Jahr zur Jahr aus: „Unkontrollierbar, in alle Richtungen.“

Friedhelm Mickley-Gansloser aus Scharenstetten, einer der Landwirte, die die Anzeige unterschrieben haben, will „die Leute wachrütteln“. Daher auch die Anzeige. „Es darf in Deutschland nicht passieren, dass gentechnisch verändertes Saatgut auf die Äcker kommt. Nie.“ Das sei nie wieder rückgängig zu machen. Die Reinheit des Saatguts wäre dann für immer dahin. „Wie in den USA.“ Mit den gleichen Konsequenzen. Etwa, dass es Unkräuter gebe, die durch Kreuzung mit Genpflanzen Pestizid-Resistenzen entwickelt haben. „Damit sind bereits riesige Flächen zugewuchert, und kein Spritzmittel hilft mehr.“ Nicht zuletzt gehe es um die Gesundheit der Menschen. Denn auch das habe sich in den USA gezeigt: „Tiere, die mit Gentechnik-Futter ernährt wurden, trugen Gesundheitsschäden davon.“ Für Mickley-Gansloser ist es keine Frage, dass solche Gesundheitsschäden auch bei Menschen auftreten werden, wenn sie auf Dauer eine bestimmte Menge gentechnisch veränderter Organismen zu sich nehmen.

„Die grüne Gentechnik wird in Deutschland diskutiert wie die Atomkraft vor Japan. Und auch hier können die Folgen ungeahnte Ausmaße annehmen“, sagt der Landwirt. Die Politik solle endlich akzeptieren und respektieren, dass „85 Prozent der Bevölkerung die Gentechnik ablehnen“.

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